Das Konzert   

(Aus anderer Betrachtungsweise,  Eindrücke von Doris Niemann aus St. Petersburg/WB)
 

Seit gut einem Jahr probten die Mitglieder der Kantorei der evangelischen Kirchen-gemeinden Enger zusammen mit den Mitgliedern des Chores Rossika aus St. Pe-tersburg für eine ganz besondere Aufführung: für Felix Mendelsohn-Bartholdys "Oratorium Paulus". Am vergangenen Wochenende gastierten die Engeraner in St. Petersburg und gaben zusammen mit den stimmgewaltigen russischen Sängern ein sehr beachtliches Konzert.

Ein großes hochqualifiziertes Werk im musikalischen Leben St. Petersburg. Das "Oratorium Paulus" von Felix Mendelsohn-Bartholdy - geschrieben für Solostimmen, Chor und Orchester - wurde am Samstag in der St. Petri Gemeinde von St. Peters-burg aufgeführt.

Mitwirkende waren Rosemary Melville Hansen, Sopran 1; Marina Tchernoussova, So-pran 2; Tatjana Fuchs Alt; Valentin Mironov, Tenor; Ian Micael Gallagher, Baß; Kammerchor "Rossicca" der St. Petersburger Philharmonie (Dirigentin Valentina Kopylowa); Orchester "The Soloists of St. Petersburg"; St. Petersburger Philharmonie (Dirigent Michael Gantwark) und die Kantorei Stiftskirche Enger (Dirigent Christoph Ogawa-Müller).

Die St. Petrikirche befindet sich zwar mitten in der City von St. Petersburg, dennoch etwas abseits in einer kleinen Seitenstraße. Als Tourist vermutet man niemals, daß diese hübsche Kirche einmal ein Schwimmbad war. Vor etwa fünf Jahren fand der Umbau statt. Als die Kantorei damals St. Petersburg besuchte, dirigierte Christoph Ogawa-Müller noch von einem Startblock aus.

Es war eine große Herausforderung an die Kantorei und Ogawa-Müller, dieses große Werk einzustudieren und darzubieten. Es war eine enorme Leistung vom Kantor, Chor und Orchester, so präzise, einfühlsam und gekonnt durch das Werk zu führen.

Der Chor wuchs, das kann ohne Übertreibung gesagt werden, über sich hinaus: Die leisen Passagen erklangen wesentlich besser als in der Stiftskirche - dank der wun-derbaren Akustik dieser Kirche von St. Petersburg. Die Kantorei wirkte sicher und konnte sich behaupten neben den gewaltigen, voluminösen Stimmen des Rossi-cachores. Beide Chöre zusammen ergaben eine Harmonie wunderschöner Klänge.

Der Solopart, gesungen von Ian Gallagher  (Baß, Paulus) mit dem Titel "Ich danke Dir Herr" kam mit voller und klarer Stimme gut über. Rosemary Melville-Hansen (So-pran 1) sang professionell und glockenrein. Die Stimme profitierte ebenfalls von der guten Akustik in der Kirche.

Marina Tchernoussova (Sopran 2) sang Rezitative und Arioso "Doch der Herr vergiß die Seinen nicht" sicher und meisterlich. Tatjana Fuchs (Alt), die in diesem Fach noch sehr neu ist, sang ihren Part gut. Valentin Mironov (Tenor), vom stimmlichen Volumen her ansprechend, sang die Passagen weich und überzeugend. Besonders schön war das Duett von Baß und Tenor, das Duettino "So sind wir nun die Botschafter". Die Philharmonie unterstrich das große Werk mit beeindruckender Sicherheit, großer Musikalität und Können.

Das während des Konzertes noch Zuhörer kamen, und dann wieder gingen, ist wohl normal bei solchen Veranstaltungen. Die nicht voll besetzte Kirche hatte unter ihren Zuhörern indes hochrangige Besucher: Es waren der Probst der Gemeinde, Kitzka, der Direktor des Konservatoriums des Goethe-Instituts, Karl-Heinz Thalmann, anwe-send

Seit der Revolution sind immer kleinere Paassagen aus dem "Oratorium Paulus" auf-geführt worden. Vergangenen Samstag aber war eine Premiere für das große Werk. Nach viel Applaus an Dirigent, Orchester, Chor und Solisten nahmen die Engeraner  - sie sind seit gestern wieder zu Hause - viele schöne Eindrücke mit auf den Weg.