Korrespondentin uki aus Hannover und aus der Luft

Aufstehen um 3 Uhr, dann Busfahrt nach Hannover. Dort das große „Ätsch“ für die Gruppe der Pulkovo-Kunden: Abflug statt um 9:25 erst um 13.00. Frühstück im Café. Ich sondere mich als einziger Raucher in die Nikotinecke ab und habe deshalb die Chance, den Reiseführer ein bißchen zu studieren.

Mit Wehmeiers und Höhnes Ausflug auf die Dachterrasse des Flughafens. Unten Feuerwehr und Polizei – mehrere Wagen – an einer Landebahn. Burkhard: „Die erwarten die Russen!“ Dann landet aber nur ein kleines Sportflugzeug, und alle fahren wieder weg.

Manchmal sehen wir ein Passagierflugzeug starten. Ich weiß überhaupt nicht, wie es mir gehen wird, wenn ich selbst gestartet werde – falls ich gestartet werde. Der einzige Flug meines bisherigen Lebens liegt fast 30 Jahre zurück, und damals war ich doch viel unbefangener!

Nachdem das erste Café schon mit großer Ausdauer genau untersucht worden ist, widmen wir uns mit beeindruckender Gründlichkeit dem zweiten. Als Entschädigung für die lange Wartezeit bekommen wir Gutscheine für 10 Mark. Die seltsamen belegten Baguettes mit dem noch seltsameren Dressing (was bedeutet eigentlich „Mövenpick“ genau?) geben Burkhard und mir schwer zu denken, aber wir sollten auch am nächsten Tag noch normal aussehen – oder jedenfalls so wie immer.

Der Start um 13.00 verschiebt sich ein wenig, weil das russische Flugzeug noch nicht da ist. Inzwischen sind wir aber so abgebrüht, daß sogar die Witzproduktion nachläßt. Warten wir eben noch ein bißchen. Auch Reiseleiterin Barbara Bagdadi scheint es etwas besser zu gehen, nachdem sich die ganze Zeit niemand aufgeregt hat.

Und tatsächlich: An der Abfertigung erscheint Personal und fertigt uns ab. Bei der Waffendurchsuchung kommen wir uns ziemlich wichtig und gefährlich vor. Leider haben wir alle unsere Kanonen zu Hause vergessen und können keine Panik auslösen.

Als endlich das Flugzeug mit uns abhebt, kann man nichts mehr rückgängig machen und gibt sich dem interessanten "Bauchgefühl“ und dem Ohrensausen hin. Und dann ist alles nur noch schön, sogar für Gisela, die vorher ein bißchen Angst hatte. Wir fliegen über Wölkchen, die viel Durchblick auf die Ostseekünste lassen. Man wünscht sich einen Service mit detaillierten Angaben über die Überquerung der jeweiligen Küstenorte, wo man schon mal im Ostseesand gespielt hat.

Die Stewardess mit dem Getränkewagen hat es schwer mit uns. Sie will die Wasserbestellung genauer hinterfragen: „Whiskas?“ Betretenes Schweigen, fragende Blicke. Nochmal: „Whiskas?“ Der Wagen enthält auch bei näherem Hinsehen kein Katzenfutter, nicht mal flüssiges. Was meint sie mit Whiskas? „Whiskas or not?“ Da kommt endlich jemand drauf: Sie fragt nach der Kohlensäure („With gas?“)! Große Erleichterung auf der Kommunikationsklippe. Und wir lernen schnell, denn am Abend im russischen Lokal bieten sie auch Whiskas an, und wir können elegant damit umgehen: „Yes, please!“

Das Flugzeug bietet noch einen eßbaren Imbiß ohne Katzenfutter und immer wieder wolkenlose Ausblicke in die Tiefe, bis wir langsam an Höhe verlieren. St. Petersburg grüßt mit riesigen Ansammlungen von steinernen Kastenhäusern. Man denkt sogleich an den Sozialismus – als ob es im Westen keine Wohnsilos gäbe.